“Einmal One-Way nach New York City, bitte.”

Als Logopädin in New York: Währendem ich hier am Laptop sitze und diesen Blogbeitrag schreibe, geniesse ich meine Aussicht vom Hudson River bis nach Manhattan. New York City liegt zu meinen Füssen. Eine unglaublich eindrückliche und riesige Stadt. Erst im Frühjahr bin ich hierhergezogen, in diese neue Welt. Eine bewegte Zeit liegt hinter mir.

Nach meinem Studiumsabschluss im Sommer 2019 startete ich mein Berufsleben als Logopädin im klinischen Bereich. Nach einem turbulenten Berufseinstieg durch die Pandemie, stand bereits schnell das nächste Abenteuer vor der Tür. Mein Mann erhielt das Angebot, zwei Jahre in den USA zu arbeiten. Ein Leben und eine Wohnung 10 Minuten von New York entfernt – wow!

Vor der Abreise schwirrten tausende Fragen und Gedanken durch meinen Kopf: Wird mein Diplom anerkannt? Wie komme ich zu einer Arbeitsbewilligung? Ausserdem sollte ich mein Englisch auffrischen. Vielleicht kann ich ja auch einen Master absolvieren. Ein Visa brauche ich wohl auch. Noch nie habe ich im Ausland gelebt, wie das wohl wird?

An meinen Englisch-Fähigkeiten feilte ich am Wochenende. Der riesige bürokratische Aufwand erfolgte jeweils nach Feierabend beim Z’Nacht. Die Ablehnung meines Diploms sorgte zwar für Enttäuschung. Aber der Grund war offensichtlich: In den USA bestreiten Studierende der Logopädie einen langen und teuren Weg: 4 Jahre Bachelor-Studium, 2 Jahre Masterstudium, 1 Jahr Clinical Fellowship (CF). In diesem CF-Jahr arbeiten sie bereits in ihrem Beruf jedoch unter enger Supervision einer erfahrenen logopädischen Fachperson. Zum Vergleich: In der Schweiz haben wir ein 3-jähriges Bachelor-Studium – that’s it.

„Jo guat, denn halt an Master.“, dachte ich mir. Unmöglich! Die Studiengebühren in den USA allein für den Master belaufen sich bereits auf 100‘000.- Dollar. Eine neue Idee musste her: Wissenschaftliche Mitarbeiterin einer Universität im Bereich Logopädie. Einfacher gesagt als getan. Die Bearbeitung der Arbeitsbewilligung wird 9-11 Monate dauern, erst wenige davon sind vergangen.

Nun aber zum Happy End: Glücklicherweise habe ich nach 70 Bewerbungen eine Universität gefunden, an der ich im Rahmen eines unbezahlten Praktikums Erfahrungen als wissenschaftliche Mitarbeiterin sammeln kann. Darüber hinaus ziehe ich ein eigenes Fortbildungsformat auf: die Logo Updates. Klinische Logopädie-Teams im deutschsprachigen Raum erhalten zu einem ausgewählten Thema einen Input mit aktuellen Recherchen zu Evidenzen und Literatur. Das Angebot läuft sehr gut an und es bereitet mir grosse Freude! 

Nie hätte ich mir vor einem Jahr vorstellen können, dass ich hier lebe, mich beruflich weiterentwickle und dann den Tag bei einem Drink in Manhattan ausklingen lasse. Eine „crazy“ wie auch sehr wertvolle Erfahrung, die ich keinesfalls missen möchte.

Sarah Ackermann

Quelle: DLF Deutschschweizer Logopädinnen- und Logopädenverband http://www.logopaedie.ch/blog/

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